Honigbiene und Imkerei

Bald summen sie wieder in Feld Wald und Flur, unsere Honigbienen. Noch sitzen sie auf ihren aus Wachs gebauten Waben in den Beuten. So nennt man die von Menschen gefertigten Bienenbehausungen. Das Bienenvolk ist, obwohl seit Jahrtausenden vom Menschen gepflegt und genutzt, seiner Natur nach ein "Wildtiervolk" geblieben. Mit Gift und Stachel ausgerüstet, verteidigt es sich rücksichtslos gegen jede Störung. Die europäischen Honigbienen leben in der Natur in wettergeschützten hohlen Baumstämmen oder ähnlichen Hohlräumen. Unsere Vorfahren, sogenannte Zeidler, haben diese Bienenvölker aufgespürt und ihnen die honiggefüllten Waben weggenommen. Der Honig war als einziges Süßmittel knapp und sehr begehrt. Die Zuckergewinnung aus Zuckerrohr und -rüben war noch nicht erfunden.

Lüneburger Stülper

Später wurden Bienenvölker an die Häuser geholt und in ausgehöhlte Baumklötze (Klotzbeuten) oder strohgeflochtene Körbe (Strohbeuten, z.B. "Lüneburger Stülper") einlogiert. So konnte das Bienenvolk in seinem Wesen besser kennen gelernt werden. Die Imker versuchten dann die Bienenvölker nach ihrem Willen zu lenken. Vor etwa 150 Jahren wurde die Bienenbeute mit beweglichen Holzrahmen erfunden. In diese Rahmen bauen die Bienen, aus von ihren Körpern ausgeschwitztem Wachs, die Waben. Die Kontrolle der Völker, der Austausch bzw. die Entnahme von ganzen Waben (z.B. bei der Honigernte) wurde hierdurch wesentlich einfacher und störungsfreier für die Bienen. Den festen, stabilen Wabenbau bei Korbvölkern kann man nur, nach dem Abheben oder Kippen der Körbe, von unten betrachten. Zur Entnahme der mit Honig gefüllten Waben müssen die ansitzenden Bienen "abgetrommelt", „abgestoßen" oder durch Schwefeldämpfe abgetötet werden. Zum "Abtrommeln" wird der Korb mit dem Honigvolk, Öffnung nach oben, auf den Boden gestellt. Darüber kommt ein leerer Korb, der mit dem unteren durch Klammern fest verbunden wird. Die Fluglöcher sind zu verstopfen. Mit den Handflächen wird auf dem unteren Korb herum getrommelt. Die Bienen reagieren unruhig und laufen meistens zum großen Teil in den oberen, leeren Korb. Beim Abstoßen kommt der leere Korb nach unten. Beide zusammengekoppelten Körbe werden dann wiederholt angehoben und auf eine elastische Unterlage gestoßen. Die Bienen fallen dadurch, zum aller größten Teil, in den unteren, leeren Korb Die verbleibenden Restbienen wurden in früheren Jahren abgeschwefelt.

 

Die Bienen halten in ihren, im freien aufgestellten Behausungen keinen Winterschlaf. Sie ziehen sich auf den Waben, unterhalb der Honigvorräte, zu einer warmhaltenden Traube zusammen. Sie vibrieren leise mit den Flügeln, um durch die Bewegung der Muskulatur die nötige Lebenswärme von13 bis 25 Grad in der Traube zu erhalten. Dabei wird der Zuckerhonig langsam verbraucht. Etwa 10000 bis 15000 Bienen mit einer legefähigen Königin versuchen so über den Winter zu kommen. Ende Februar oder im März, wenn die Außentemperatur über 12 Grad ansteigt, kommt es zum Reinigungsflug des Bienenvolkes. Die Bienen schwirren in großer Anzahl vor den Beuten umher, sitzen auf Ästen und sonstigen Gegenständen, um sich zu entleeren. Im Bienenstock ist während des Winters alles sauber-geblieben. Die auf dem Bodenbrett liegenden toten Bienen und die abgenagten Wachsteile werden im Frühjahr nach draußen getragen. Außerdem lockert sich zu dieser Zeit die Wintertraube und wird zur Brutkugel. Innerhalb dieser herrscht eine Brutnesttemperatur von 34 bis 35 Grad, die zur Entwicklung der Bienenbrut erforderlich ist. Bei Außentemperaturen über 12 Grad fliegen Trachtbienen aus und sammeln vorwiegend Pollen (Blütenstaub), den sie in den Haartaschen an den Hinterbeinen "höseln" und dann schwer beladen zu ihrem Stock zurückfliegen. Neben dem eiweißreichen Pollen wird reichlich Wasser zur Aufzucht der Jungbienen benötigt. An Flüssen, Teichen und sonstigen Feuchtstellen kann man oft Bienen beim Tanken beobachten.

 

Kätzchenweiden sind die besten Bienenfutterspender im Frühjahr. Ihr Pollenangebot reicht oft bis zum Beginn der Obstblüte. Die Honigbiene geht nicht als Einzelwesen, wie Wildbienen, Hummeln, Wespen und Schmetterlinge, sondern als ganzes Volk mit 10000 bis 15000 Arbeitsbienen und der Königin durch den Winter. Darum ist sie auch das einzige Insekt, auf das man sich für die Befruchtung der Obstbäume, Sträucher und sonstigen Insektenblütler im Frühjahr wirklich verlassen kann. Außerdem ist sie blütenstetig. Sie wechselt bei den Blütenbesuchen nicht von einer Blütenart zur andern, sondern bleibt, solange es sich lohnt, immer der gleichen Blütenart treu. Sie befliegt z.B. entweder nur Apfel- oder nur Birnen oder nur Löwenzahnblüten, um Pollen und Nektar zu sammeln. Mit den dabei in ihrem Haarkleid verfangenen Blütenpollen, garantiert sie einen wirklichen Befruchtungserfolg der vielen Blüten. Durch häufige Zählungen wurde festgestellt, dass 75 - 80 % aller Blütenbesucher Bienen sind. Würden z. B. Apfelblüten nicht von Bienenbeflogen, wäre ein Ertragsausfall von mehr als 7O % zu erwarten. Mangelhafte Bestäubung führt auch zu verkrüppelten oder einseitigen Früchten. Obstbauern im "Alten Land" zahlen Imkern, die dort in der Blütenzeit Bienenvölker aufstellen, eine Bestäubungsprämie. Den im Frühjahr gesammelten und zu Honig aufbereiteten Nektar benötigt ein Bienenvolk für seine Weiterentwicklung. Die Königin legt pro Tag 1500 Eier. Eine Arbeitsbiene schlüpft 21 Tage nach der Eiablage. Sie hat dann, aufgrund der Arbeitsteilung im Bienenstock, drei Wochen Innendienst und den Rest ihres Lebens Außendienst. Nach etwa 20 Sammeltagen stirbt sie, weil dann ihre Flügel zerfetzt sind.

 

Die Arbeitsteilung im Bienenstaat.

 

  1. -   2. Tag: Die "Wiegen" (Wabenzellen) und sich selbst putzen.

  3. -   5. Tag: Altmaden füttern.

  6. - 12. Tag: Jungmaden füttern, Nektar abnehmen, Pollen einstampfen, Stock putzen.

12. - 18. Tag: Wachs schwitzen, Waben bauen, ab 16. Tag zusätzlich einfliegen.

17. - 19. Tag: Fluglochwache.

Ab   2O. Tag: Nektar, Honigtau und Pollen Sammeln.

 

Eine starre Bindung an die Altersgruppen gibt es allerdings nicht. Maßgebend ist nicht nur das Alter der Bienen, sondern noch mehr das Bedürfnis des Volkes. Es wäre nicht gut, wenn alle Bienen im "Soldatenalter" von 18 - 21 Tagen bei jeder Kleinigkeit zur Feindbekämpfung ausschwärmen.

 

Zum Beginn der Rapsblüte hat ein gutes Bienenvolk etwa 30000 Arbeitsbienen und Drohnen; weitere schlüpfen. Es wird viel Nektar eingetragen, so dass ein Überschuss vorhanden ist, der von den Bienen in den oberen Waben der Beute als Wintervorrat eingelagert wird. Jetzt ist es Zeit für den Imker, den Honigraum aufzusetzen bzw. freizugeben.

Hansheinrich von Bestenbostel

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